Friday, December 29, 2006

LTU auf Einkaufstour


Vor einer Woche gabe Karstadt-Quelle und Lufthansa die Übernahme von Thomas Cook durch Karstadt-Quelle bekannt. Nun geht auch LTU auf Einkaufstour. Der Düsseldorfer Ferienflieger LTU ist laut einem spanischen Pressebericht an der Übernahme des krisengeschüttelten Billigfliegers Air Madrid interessiert. Die Zeitung "Expansión" berichtete am Donnerstag, LTU-Repräsentanten seien am Vortag zu Verhandlungen mit Vertretern von Air Madrid über einen "möglichen Kauf" zusammengekommen. Die LTU sei besonders an den Lateinamerika-Verbindungen der spanischen Billig-Airline interessiert.
Bisher war LTU - seit dem Zusammenbruch des Swiss Air-Konzerns - vor allem durch immer wieder vorhandene Liquiditätsprobleme in Erscheinung getreten. Im vergangene
n Jahr wollte der damalige Eigentümer der dba beide Fluglinien verbinden, was durch die Übernahme der dba durch Air Berlin wieder hinfällig wurde. Und nun, ähnlich wie Karstadt-Quelle, geht der immer noch nicht langfristig gesicherte Feriencarrier selbst auf Einkaufstour. Man möge der Traditionslinie wünschen, dass sie damit ein neues und langfristig tragfähiges Konzept verwirklicht.

Air Madrid hat seit zwei Wochen alle Flüge eingestellt. Das
spanische Verkehrsministerium hatte der Airline Mitte Dezember wegen ihrer chronischen Flugverspätungen die Fluglizenz entzogen. Air Madrid ist auf Billigflüge zwischen Lateinamerika und Spanien spezialisiert.

Thursday, December 14, 2006

Bewegung am Boden, Part 3


Auch in Deutschland ist zwischenzeitlich Bewegung am Himmel. TUIfly wird in Deutschland konsolidiert. Im Rahmen eines größeren Konsolidierungsprozesses bei dem Hannoveraner Schifffahrts- und Reisekonzern TUI sollen auch die beiden deutschen Fluggesellschaften des Konzerns in eine neue Struktur überführt werden. Die bisherige Trennung von HapagFly als Ferienflieger und hlx.com als low cost carrier geht damit zu Ende.

TUI geht hier einen Weg, der bisher immer in die andere Richtung gezeigt hat: Segmentierung. Allerdings bedienen beide Airlines ein gleiches Streckennetz, dass durch die Zusammenlegung optimiert und besser ausgebaut werden kann. Ausschlaggebend war dabei wohl auch, dass sich das Publikum des blauen und des gelben Familienzweiges sich nicht fundamental unterscheiden und so auch keine Verluste in der Kundenstruktur zu erwarten sind. Das Merging beider Airlines wird dabei relativ leicht zu bewältigen sein, nutzen sie doch bisher bereits das gleiche Personal und die gleiche Infrastruktur.
Die Zusammenlegung der beiden Airlines bedeutet in gewissem Maße auch eine Konsolidierung. Nach dem rasanten Aufstieg der Low Cost Carrier werden nun wieder einige Linien verschwinden oder in andere integriert werden. Nur ein langfristig Tragfähiges Verbundkonzept, wie es jetzt TUI geht und easy jet schon vorgemacht hat, wird wohl dauerhaft sich halten können.

Bewegung am Boden, Part 2


Wie in Australien geht es auch in den USA um die Zukunft der Luftfahrtbranche. Waren die USA bislang vor allem durch spektakuläre Fälle von Insolvenzen - vollendeten und revidierten - in die Schlagzeilen geraten, setzt nun ein Konsolidierungsdruck die U.S.-Airlineindustrie unter Spannung.

Was jetzt zu folgen scheint ist ein Konsolidierung des Marktes im Luftverkehrsbereich. Die selbst noch nicht ganz aus der Insolvenz gekommene US Airways hat für insolvente und zweitgrößte Airline ein Übernahmeangebot abgegeben. US Airways war nach dem 11. September 2001 in die Schlagzeilen geraten, da sie faktisch nicht mehr fliegen konnte, da ein Großteil ihrer Flugzeuge auf dem Reagen National Airport in Washington D.C. feststand. Nun scheint das Unternehmen wie Potential zu haben und wachsen zu wollen.

Was aber zunächst wie ein normales Übernahmeangebot sich herausstellt, entpuppt sich schnell als Spiel der Global Player der Luftfahrt. Während US Airways zur StarAlliance um Lufthansa und United gehört, ist Delta Mitglied beim SkyTeam angeführt von KLM und AirFrance. Damit würden sich die Gewichte auch hier deutlich zugunsten der StarAlliance verschieben. StarAlliance ist derzeit das einzige Bündnis, was beständig wächst. AirIndia, einige chinesische Fluglinien und auch sonst im asiatischen Raum Potential abschöpfend könnte die Alliance damit auch im Transatlantik-Verkehr zum domnierenden Player werden.
StarAlliance besitzt mit Chicago, Los Angeles, San Fransisco und Washington D.C. (United) sowie Philadelphia, Charlotte und Phoenix (US Airways) über sieben starke Drehkreuze. Mit Atlanta käme der größte Airport weltweit in das Streckennetz hinzu. Alle drei Fluglinien besitzen zudem starke Verbindungen nach Südamerika und könnten nach dem Einbruch von Varig hier ausgleichend wirken.
Selbst wen Delta die Übernahme ablehnen sollte, ist das neue Team noch nicht verloren. Mit der Änderung des U.S.-Insolvenzrechts muss in einem begrenzten Zeitraum ein Sanierungsplan vorgelegt werden oder die Insolvenz durchgeführt werden. US Airways wäre also nicht aus dem Rennen.

Bewegung am Boden, Part 1


Fluggesellschaften waren bisher ein Sondersegment der Wirtschaft: einerseits einer hohen staatlichen Regulierung mit nationalem Symbolgehalt unterworfen und andererseits für Finanzinvestoren relativ unterinteressant. Quantas, die australische Erfolgsgeschichte, zeigt nun, dass dies nicht dauerhaft so bleiben muss.

Quantas geht nun neue Wege und als erste Fluggesellschaft wird sie vollständig von Finanzgesellschaften übernommen. Mit der ausralischen Investmentbank Macquarie und der U.S.-Investorengruppe Texas Pacific geht auch die Finanzwelt neue Wege, ist die internationale Luftfahrt doch immer noch eines der stärksten reglementierten Segmente der Wirtschaft. Investoren gehen damit ein nicht unerhebliches Risiko ein, droht ihnen doch im Konfliktfalle der teilweise Investverlust. Zudem war der Luftverkehr in den letzten Jahren durch SARS, Vogelgrippe, Terroranschläge und Kriege schwer kalkulierbaren externen Einflüssen ausgesetzt und erholt sich erst langsam wieder von diesen Schocks.
Dennoch bleibt es aufgrund internationaler Bestimmungen erforderlich, dass ein Großteil der Eigentumsrechte in australischen Händen bleibt, verliert Quantas doch sonst Start- und Landrechte. Hier zeigt sich, dass Aktien im Luftverkehrsmarkt noch nicht so frei handelbar sind, wie sich dies der ein oder andere wünschen würde.

Macquarie ist im letzten Jahr durch zahlreiche Kaufangebote in Erscheinung getreten. So wollte die Bank den Energiedienstleister Techem und dem britischen Wasserlieferanten Thames Water erwerben. Im Luftverkehr gehört der Bank bereits der Flughafen Sydney.
Quantas zählt zu den profitabelsten Airlines. Nach dem Aus von Ansett Australia dominiert Quantas den australischen Markt.


Quellen
Investoren bieten für Quantas, FDT 22.11.2006

Wednesday, December 06, 2006

Boing versus Airbus


Man könnte es fast schon als annus horribile für Airbus bezeichnen: zunächst die Probleme mit dem A 380 und der massiv verzögerten Auslieferung. Dann die Antwort auf Boeings Dreamliner, den A 350 der auf Anforderung der potentiellen Kunden komplett neu gestaltet werden musste und damit auch erst mit Verzögerung in den Liniendienst überführt werden kann. Und nun wird Airbus auch noch der treueste Kunde - Lufthansa - untreu. Die Premium-Airline will anstatt einer höheren Stückzahl des A 380 ihre Modellpolitik wieder erweitern und 20 Boeing 747-800, die Erweiterung der B 747-400, in das Portfolio aufnehmen.

Lufthansa hatte seine Flotte in den letzten zwei Jahrzehnten Stück für Stück auf die Airbus-Modelle konsolidiert und damit die Modellvielfalt deutlich reduziert. Ziel war es, die Kosten durch Konzentration zu reduzieren. Und Lufthansa half damit Airbus ein ganzes Stück zu einem Erfolgsmodell zu werden. Es ist damit schon fast ein Paradigmenwechsel, wenn die deutsche Airline ihre Produktpalette erweitert. Zwar stellt die B 747-800 mit 470 Sitzplätzen eine sinnvolle Ergänzung im Schritt zum A 380 mit 550 Sitzpolätzen dar. So gross ist der Sprung jedoch nicht und so muss wohl doch ein gehöriges Stück Skepsis bei dem LH-Management mitspielen. Das Warten auf den A 380 hat ein Ende und die Flotte in den großen Langstreckenflugzeugen ist bei Lufthansa zwar nicht alt, jedoch im Rahmen der Firmenpolitik erneuerungsbedürftig. Eine weitere Verzögerung des A 380 ist damit nicht mehr hinnehmbar.
Lufthansa nimmt damit bewußt höhere Wartungskosten in Kauf, um ein langfristiges massives Geschäftsrisiko zu vermeiden. Die demonstrative Galanz beim Airbus-Management sollte daher auch hinterfragt werden, ernsthafte Sorgen wären es wert.

SPON: Lufthansa will 20 Boeing-Maschinen kaufen
SPON: Lufthansa bestellt 20 Boeing-Flugzeuge
sueddeutsche.de: Treuer Kunde wird abtrünning

Friday, December 01, 2006

A380 am Ende der Weltreise

Es war gedacht als Triumphzug um die Welt. Die Nachrichten aus Toulouse haben die Aufmerksamkeit jedoch auf die wirtschaftlichen Probleme gelenkt. Und dennoch wurde der A 380 überall begeistert empfangen. Noch nie in der Geschichte der Luftfahrt wurde ein Flugzeug mit soviel Pomp und Clamour gefeiert.

Und dennoch: dem A 380 steht nun nichts mehr im Wege. Auch wenn die erste Maschine noch nicht ausgeliefert ist und Airbus mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat: der technischen Zulassung steht nun nichts mehr im Wege. Und irgendwann in den nächsten Jahren wird auch jeder die Möglichkeit nutzen können, den Traum des Fliegens auf zwei Decks genießen zu können.